Donnerstag, 19. April 2012

Gedanken eines Ostermanns - Die Indoktrinationstheorie



Nachdem ich in meinem Blogeintrag über das Ende von Mass Effect 3 beiläufig die Indoktrinationstheorie erwähnte kam von einigen von Euch die Frage, was das sein. Eigentlich dachte ich, dass diese jedem bekannt sein müsste, aber ich erkläre sie gerne.
Doch gleich vorne weg: Die Indoktrinationstheorie ist sehr komplex und wirklich nur zu verstehen, wenn man alle Teile von Mass Effect + den Bonus Content gespielt hat. Und ich kann hier auch nicht auf Spoiler verzichten. Also solltet ihr ME 3 noch nicht durch haben, so lest nicht weiter!

Die Indoktrinationstheorie ist eine von Fans aufgestellte, nicht offiziell bestätigte Theorie um das Ende von Mass Effect 3 zu erklären und zu zeigen, dass alles geplant und durchdacht war. Aber ganz wichtig! Die Theorie wurde niemals von einem Bioware oder EA Mitarbeiter bestätigt und muss deshalb unter der Kategorie „Fan-Fiction“ laufen.
Im Allgemeinen sagt die Indoktrinationstheorie aus, dass Shepard, genau wie Saren oder der Unbekannte indoktriniert worden sei und, dass alles was in ME 3 geschah, nachdem Shepard, beim Ansturm auf das Beamgerät in London,  von den Kanonen des Vorboten getroffen wird ein Traum und eine Illusion in Shepards Kopf sei und somit nie wirklich passiert ist.
Die Theorie besagt, dass das Streitgespräch zwischen Shepard, Anderson und dem Unbekannten Shepards inneren Kampf gegen die Indoktrination darstellt und dass Anderson dabei für Shepards gute Seite steht, die gegen die Indoktrination kämpft und der Unbekannte stellt die Reaper dar, die versuchen Shepards Verstand zu übernehmen.
Als die Indoktrinierte Seite Shepards (in Gestalt des Unbekannten) tötet Anderson, der für den letzten Wiederstand in Shepards Kopf steht. Durch Andersons tot ist Shepard nun gebrochen und vollständig indoktriniert. Doch die Reaper lassen Shepard, genau wie damals Saren, im Glauben, dass er noch die Kontrolle hat und stellen ihm das Kind gegenüber. Shepard muss zwischen den drei Optionen wählen, bei denen zwei, nämlich Kontrolle und Synthese, schlechte Optionen darstellen und die dritte Option Zerstörung Shepards Rettung ist. Die zwei ersten Optionen werden von der Reapern generiert (denkt dran! Das alles findet immer noch in Shepard Kopf statt) die vermeidlich „böse“ Option, das Zerstören, ist der letzte Wiederstand von Shepard gegen die Indoktrination. Wenn Shepard Kontrolle oder Synthese wählt haben die Reaper gewonnen und Shepard wird zum Sklaven. Wählt Shepard Zerstörung, so hat der der Indoktrination wiederstanden und hat seinen freien Willen zurück.
Soweit die Theorie. Natürlich gibt es Beweise, die diese Theorie stützen. Die stichhaltigsten werde ich nun darlegen:

Das Kind:
Das Kind, welches im ganzen Spiel als Shepards Leitmotiv agiert ist von Anfang an ein Mittel der Reaper. Man sieht das Kind in das Gebäude rennen, in dem man es später trifft. Doch einige Sekunden danach wird das Gebäude vom Strahl eines Reapers getroffen und geht in Flammen auf. Jetzt betreten Anderson und Shepard das Gebäude und man trifft das Kind in dem Lüftungsschacht. Doch eigentlich dürfte diese Explosion niemand überlebt haben. Auch scheint nur Shepard das Kind zu sehen. Anderson nimmt keine Notiz von ihm und scheint Shepard auch nicht mit ihm reden hören. Daraus folgern wir, dass sich das alles nur in Shepards Vorstellung abgespielt hat.
Auch hört man genau in dem Augenblick, indem das Kind verschwindet das typische „Reaperbrülllen“.
Am Ende dieser ersten Mission sieht man den Jungen ja wieder. Er rettet sich gerade noch in ein Shuttle, das dann jedoch von einem Reaper abgeschossen wird. Doch ist Euch aufgefallen, dass niemand sonst das Kind zu sehen scheint. Die Menschen beim Shuttle, die Soldaten, alle scheinen keine Notiz von dem Kind zu nehmen und helfen ihm auch nicht ins Shuttle zu kommen.
Später taucht der Junge nur noch in den Träumen unseren Commanders auf. Und das bringt mich zu Beweis #2

Shepards Träume:
Hier ist ziemlich klar, dass das nicht wirklich passiert. Doch wenn man sich die Träume genau anschaut, so bemerkt man, dass überall wabernde Personen aus schwarzem Rauch rumstehen und man die Stimmen seiner verstorbenen Kammeraden hört. Diese Schatten erinnern stark an die Beschreibungen der Rachni Königin aus Teil 1, als sie Euch berichtet, wie es war von den Reapern kontrolliert worden zu sein. Sie spricht von „öligen Schatten“ und „Stimmen voller Leid“. Hinter diesem Hintergrund bekommen Shepards Träume eine ganz andere Wirkung.
Auch befinden sich, in den Träumen, kleine schwarze Pflanzen überall und ein schwarzer Neben wabert am Rad des Bildschirms. Genau dasselbe passiert, als Ihr erwacht, nachdem der Vorbote Euch getroffen hat. Ihr bewegt Euch in Zeitlupe, genau wie in den Träumen und hinter Euch befinden sich eben jene kleinen, schwarzen Pflanzen. Und in dem gesamten Gespräch auf der Citadel taucht immer wieder der schwarze Nebel am Bildschirmrand auf, besonders dann wenn der Unbekannte etwas sagt.

Die Citadel:
Nachdem ihr auf der Citadel aufwacht, hört ihr Anderson, der schon vor Euch da zu sein scheint. Er sagt, er wäre Euch gefolgt, sei aber an einem anderen Ort rausgekommen. Ihr lauft also durch die Citadel und in dieser Zeit habt ihr unbegrenzt Munition! Und ihr könnt auch die Keeper nicht verletzen. Aber OK, das kann man durch Videospielmachaniken erklären. Was jedoch nicht so einfach zu wiederlegen ist, ist, dass Es keinen Sinn macht, dass die Reaper tote Menschen auf die Citadel schaffen. Das haben damals die Kollektoren gemach, um den menschlichen Reaper zu bauen. Und Anderson selbst sagt ja, dass das alles ihn an Shepards Beschreibungen der Kollektoren Basis erinnert. Und genau dies ist der Punkt. Laut einiger Foreneinträge von Fans, sei dieser Bereich der Citadel aus grafischen Elementen der Kollektorenbasis, der Citadel-Ratskammer aus Teil 1 und dem Schiff des Shadowbrokers aus dem DLC. Die Reaper benutzen Shepards Erinnerungen, um diesen Ort in Shepards Kopf zu bauen. Auch fällt auf, dass der Kontrollraum nur einen Zugang hat. Anderson konnte also gar nicht vor Shepard dort sein, ohne ihm vorher zu begegnen. Daraus schließen wir –> Einbildung!

Das Streitgespräch:
Wie schon gesagt wabert während des gesamten Gesprächs mit Anderson und dem Unbekannten ein schwarzer Neben an Eurem Bildschirmrand. Außerdem hört man ständig ein Flüstern. Das sind die Reaper, die versuchen die Kontrolle über Shepards Verstand zu erlangen.
Mitten im Gespräch scheint der Unbekannte seine neu gewonnene Macht zu benutzen, um Shepard in Andersons rechte Seite schießen zu lassen.
Dieser scheint jedoch relativ unbeeindruckt von der Verletzung. Zumindest am Anfang. Denn Shepards Willen ist zwar verletzt, aber immer noch stark genug um „aufrecht zu stehen“.
Es fällt auch auf, dass wenn Anderson auf eine Aussage des Unbekannte antwortet, er sich nicht zu dem Unbekannten dreht. Er spricht mit Shepard! Er versucht Shepard davon zu überzeugen, dass er indoktriniert ist! Der Indoktrinierte Teil Shepards, in Gestalt des Unbekannten, fechtet Andersons Vorwürfe ab. Er will es nicht wahr haben.
Wenn er dann Anderson und Euch erschießt (wenn ihr das QTE nicht ausführt), dann scheint er keinerlei Interesse an der Konsole zu haben, er läuft einfach davon.
Wenn Ihr Euch jedoch dazu entscheidet den Unbekannten zu erschießen, dann setzt sich Shepard neben Anderson, der daraufhin stirbt. Shepards Wiederstand scheint gebrochen. Und ist Euch aufgefallen, dass Shepard genau dort blutet, wo Anderson getroffen wurde?
Eine weitere Unstimmigkeit in dieser Szene ist, dass Admiral Hacket über das Funkgerät mit Euch spricht. Doch eigentlich gehen die Menschen ja davon aus, dass es niemand auf die Citadel geschafft hat. Der Funkspruch bei Eurem Erwachen bestätigt das. Hacket kann also unmöglich wissen, dass Shepard auf der Citadel ist. Die Reaper benutzen Hackets Stimme dazu um an Shepards Pflichtgefühl zu appellieren.

Das Gottkind:
Und dann kommen wir zur umstrittensten Szene in ME 3. Auftritt des Gottkindes…
Das Symbol, mit dem die Reaper die ganze Zeit versucht haben Shepard gefügig zu machen. Laut einiger Foreneinträge und Videos ist die Stimme des Kindes ein Mix aus den Stimmen des weiblichen und es männlichen Shepards.
Das Kind erzählt Euch, dass ihr nur drei Möglichkeiten habt. Dies ist das erste Mal in allen drei Mass Effect Teilen, wo ihr nicht wiedersprechen könnt. Normalerweise gab Euch das Spiel immer die Möglichkeit zu sagen: „Bulllshit! Ich mach das auf meine Art!“ Doch jetzt nicht! Und warum? Genau! Ihr seid indoktriniert! Die Reaper geben vor war ihr macht!
Doch ein kleiner Teil von Euch ist noch stark und kämpft dagegen an. Manifestiert in der „Zerstör“ Option, welche in der „Vorschau“ Anderson, also Shepards nicht Indoktrinierte Seite, zeigt, die die Reaper vernichtet.
Diese Option wird von den Reapern jedoch bewusst als schlecht und böse hingestellt. Sie ist rot eingefärbt, die Farbe, die in Mass Effect „Abtrünnig“ bedeutet.
Auch lügt das Kind Euch an! Es sagt, dass wenn ihr die Zerstör Option wählt, dass selbst ihr dann getötet werdet. Doch dem ist nicht so. Denn nur wenn Ihr die Zerstör Option wählt, könnt Ihr Shepard in der letzten Cutszene atmen hören. Das Kind hat Euch also bewusst betrogen, damit ihr eine der anderen Optionen wählt.

Die verschiedenen Optionen:
Wie schon gesagt hat Euch das Kind belogen. Doch ist Euch auch aufgefallen, dass die Option, welche das ganze Spiel über als „böse“ suggeriert wurde, nun eine blaue und vermeidlich gute Lösung ist? Die Kontrolle der Reaper soll nun der gute Weg sein, obwohl Shepard drei Spiele lang für die Selbstbestimmung aller Rassen eingetreten ist? Irgendwie komisch oder?
Und ich habe ja auch schon gesagt, dass das Zerstörung Ende das einzige Ende ist, in dem Shepard überlebt. In den beiden anderen Enden wird er aufgelöst. Und kurz vor seiner Auflösung verwandelt er sich. Seine haut löst sich und seine Augen beginnen zu leuchten. Genau wie bei Saren oder dem Unbekannten. Ganz zum Schluss erinnert Shepards Erscheinung stark an einen Husk, ein Wesen halb Mensch halb Maschine. Eine Synthese der beiden… Ja das vermeidlich beste Ende, die Synthese… Ist sie nicht genau das was Saren in Mass Effect 1 wollte? Ich habe ME 1 in den letzten Tagen durchgespielt und muss sagen: JA! Saren spricht von der Verschmelzung von Mensch und Maschine zu etwas besserem, zu etwas stärkerem. Diese Ansicht wurde ihm von der Soverein implementiert. Und nun machen die Reaper dasselbe mir Shepard.
Wenn man diesem Gedankengang weiter folgt, so ist das rote Zerstörungsende, das eigentlich gute Ende. Und wenn Ihr es wählt, so richtet sich Shepard wieder auf. Er läuft gestärkt auf die Maschine zu und schießt. Seine Augen… sind normal! Shepard hat die Indoktrination besiegt.
Und erwacht auf der Erde…

Die Trümmer:
Nur durch die Wahl der Zerstörung kann man die Endszene sehen, in der Shepard, unterm Trümmern begraben, kurz Aufatmet. Auffällig ist, dass diese Trümmer scheinbar aus Beton bestehen. Doch die Citadel bestand hauptsächlich aus Metall.  Außerdem wie konnte Shepard das überhaupt überleben? Die Citadel ist im All explodiert! Shepard würde entweder im All treiben, oder verbrennen. Denn es ist unmöglich, dass er den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre unbeschadet überstanden hätte.
Nein! Shepard hat die Erde nie verlassen. Er liegt in den Trümmern Londons kurz nachdem der Vorbote ihn getroffen hat. Er hat die Indoktrination besiegt und kann nun wieder gegen die Raper kämpfen.

Es gibt noch mehr Aussagen, die die Indoktrinationstheorie stützen, doch dies waren die, welche meiner Meinung nach unwiderlegbar sind. Doch bei jedem Glauben gibt es natürlich auch Gegenargumente hier mal die meiner Meinung nach stärksten:

- Die Protheaner VI auf Thessia sagt, dass Ihr kein Zeichen der Indoktrination zeigt
- Wenn Eure Kampfstärke zu niedrig ist, dann bleibt Euch nur das Zerstörung Ende.
- Die Zwischensequenzen sagen angeblich aus, dass alles wirklich passiert ist.
-  Shepard blutet nicht an der rechten Seite wie Anderson, sondern an der Linken.
-Bioware richte damit mehr Schaden an als es nütze.

So damit wisst ihr jetzt alle was die Indoktrinationstheorie besagt.
Für mich klingt das alles sehr einleuchtend. Und ich würde mich selbst als einen Anhänger davon bezeichnen. Doch was bedeutet es wenn die Indoktrinationstheorie wirklich stimmt? Was wenn Bioware das alles geplant hat?
Sind wir dann in einer Zeit angekommen, in der ein Spiel ausgeliefert wird, das uns ein unechtes Ende gibt? Ein Spiel, indem das Ende per DLC nachgeliefert wird? Was wenn Bioware das alles geplant hat und vielleicht noch vor hatte für das DLC Geld zu verlangen und es nun wegen des öffentlichen Druckes kostenlos rausbringen? Dann muss ich sagen, dass ich diese Entwicklung sehr bedenklich find.
Aber was sagt Ihr zur Indoktrinationstheorie? Denkt Ihr, dass da was dran ist? War alles von Bioware geplant? Und wenn alles stimmt, hat Bioware damit nicht mehr geschadet als genutzt?





Kommentare:

  1. Wow... bis ich das gelesen haben ist mir das alles nie aufgefallen... Ich hoffe das stimmt alles!

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  2. Ich glaube ich bekenne mich hiermit zum Anhänger der Indtoktrinationstheorie! Einfach genial, wenn das alles stimmen würde!

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